Von sündigen Jungfrauen und träumenden Prinzen
20. Galakonzert der Stadtkapelle Berndorf mit facettenreicher Dramaturgie
Dass sich die Stadtkapelle Berndorf, unter Ihrem Kapellmeister Thorsten Reinau, in allen Genres der sinfonischen und unterhaltenden Blasmusikliteratur bewegen kann, bewies sie eindrucksvoll bei ihrem 20. Galakonzert im Stadttheater Berndorf.
Obmann Friedrich Krumay konnte im sehr gut besuchten Stadttheater neben Bürgermeister Hermann Kozlik und Kulturstadtrat Helmut Wiltschko, zahlreiche Stadt- und Gemeinderäte, Vertreter des Blasmusikbezirkes und Musikkollegen aus den umliegenden Vereinen begrüßen.
Eröffnet von der „Frühlingsfanfare“ des Brünner Komponisten Evzen Zámecnik, ging es beim zweiten Werk gleich technisch rasant zur Sache. „Eine Wiege für sündige Jungfrauen“ war der Titel der Scherzo-Ouvertüre von Otmar Mácha, welche mit ihren Klängen an „alte Zeiten“ erinnern sollte. Der sehr ausdrucksvoll gestaltete Mittelteil und fordernde Hornfanfaren erzeugten eine Atmosphäre, wie wir sie aus den berühmten tschechischen Märchenfilmen kennen.
Dass der große russische Komponist Nikolai Rimsy-Korsakow im 19. Jahrhundert ein Konzert für Klarinette schuf ist ein Glücksfall. Dass er es aber auch original für Blasorchester komponierte, ist eine Auszeichnung für diesen Klangkörper.
Die Solistin Andrea Strohmayr konnte bei diesem dreisätzigen Instrumentalkonzert vor allem melodisch überzeugen, immer sehr dezent begleitet von einem transparent agierenden Orchester.
Das Hauptwerk des Konzertabends war zweifellos das umfangreich gestaltete, zweisätzige Poem für Blasorchester „Der Traum des Oenghus“ von Rolf Rudin. Mit diesem Werk konnte die Stadtkapelle schon im November letzten Jahres während der Konzertwertung überzeugen.
Musikalisch gedeutet wird hier die alte irische Sage vom Prinzen Oenghus, dem im Traum ein Flöte spielendes Mädchen erscheint und auf dessen Suche er sich macht. Nach vielen Irrungen und Wirrungen des Königsohnes, endet das Werk genauso traumwandlerisch, wie es begonnen hat. Es war faszinierend anzuhören, mit welcher musikalischen Spannung und interpretatorischer Dramaturgie, Thorsten Reinau und die Stadtkapelle Berndorf, dieses höchst anspruchsvolle Werk zu einem Erlebnis machte.
Nach der Pause ging es dann mit einer „Fantasie über griechische Volksmelodien“ thematisch in die gehobene Unterhaltungsmusik über. Dieses Werk war an typisch griechischer Mentalität kaum zu überbieten. Mit zahlreichen rhythmischen Finessen gespickt, war dies mitreißende Folklore, welche die Stadtkapelle absolut charakteristisch interpretierte.
Mit der Polka „Der Tiefstapler“ von Thorsten Reinau, hatte dann Tubist Rainer Hofecker einen sehr überzeugenden Auftritt. Technisch höchst versiert, zeigte er den anwesenden Zuhörern, wie man eine solche solistische Aufgabe bravourös löst.
Es gibt wohl in der Filmmusikgeschichte kaum einen Film, der so mit seinem Soundtrack verwoben ist, wie „Das Dschungelbuch“. Kapellmeister Thorsten Reinau wählte eine sehr anspruchsvolle Auswahl der bekanntesten Melodien dieses Klassikers aus. Knapp 13 Minuten lang entführte die Stadtkapelle ihr Publikum in die Traumwelt Walt Disneys und ließ zumindest musikalisch die Hauptakteure Mogli, Balu, Baghira, King Louie u.s.w auferstehen.
Vom Dschungel Indiens ging es dann nach Lateinamerika, mit dem sehr percussiven
„Conga del Fuego Nuevo“. Der mexikanische Komponist Arturo Marquez schuf hier ein Werk, welches von Temperament geradezu beseelt ist. Ein großes Lob an das Schlagzeugregister der Stadtkapelle, das hier wirklich sehr überzeugen konnte.
Als Abschluss des Programms wählte Thorsten Reinau den sehr bekannten deutschen Marsch „Berliner Luft“ von Paul Lincke aus. Auch hier spürte man ganz deutlich die Handschrift des Dirigenten: Exaktheit und Disziplin in Dynamik und Artikulation bis in die Haarspitzen, wie man es als Zuhörer den ganzen Abend schon erlebt hatte. So war es denn auch kein Wunder, dass das Publikum am Ende in einen fulminanten Applaus ausbrach.
Anschließend hatte Obmann Friedrich Krumay eine angenehme Aufgabe vor sich:
Die langjährige Kassiererin Christa Sumasgutner erhielt als großen Dank für ihre aufopfernde Tätigkeit als Vorstandsmitglied und aktive Musikerin die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Die Stadtkapelle bedankte sich auch mit der von Thorsten Reinau eigens komponierten
„Christa-Polka“, welche Frau Sumasgutner überreicht bekam und die natürlich gleich zur Uraufführung gebracht wurde. Spontan entschloss sich die Geehrte das Stück mit dem Spiel ihres Instruments, den Becken, zu bereichern. Die Stadtkapelle Berndorf sagt noch einmal:
„Danke, Christa!“
Zusätzlich geehrt für mehrjährige Mitgliedschaft in der Stadtkapelle wurden folgende Musikerinnen und Musiker: Agnes Zehetner, Gudrun Steiner-Spörg, Sophie Bendekovics, Nikolaus Singhania, Theresa Hofschuster und Johann Lechner.
Außerdem konnten auch in diesem Jahr einige neue Mitglieder begrüßt werden: Andrea Grman (Saxophon), Tobias Günther, Andreas Wieser (Flügelhorn, Trompete),
Thomas Appinger (Tuba) und David Günther (Fagott).
Mit einem ruhigen „Sag´ beim Abschied leise Servus“, verabschiedete sich die Stadtkapelle Berndorf schließlich von allen Freunden, Gönnern und Zuhörern.
Die Stadtgemeinde Berndorf kann man zu diesem Klangkörper nur beglückwünschen.
Sie sollte voller Stolz auf ihre Stadtkapelle blicken.
W. R.
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